Geschichte

Architektur

Die Wiener Stadthalle entstand in den Jahren 1954 bis 1958 ganz im Zeichen politischer und kultureller Erneuerung. Roland Rainer, der Doyen der österreichischen Architektur, schuf mit der Wiener Stadthalle im 15. Wiener Gemeindebezirk sein Meisterwerk.

Bereits 1952 war ein internationaler Wettbewerb für den Entwurf einer Stadthalle von der Stadt Wien ausgeschrieben worden. 16 Architekten beteiligten sich daran, bestgereiht waren Roland Rainer und Alvar Aalto aus Finnland. Roland Rainer erhielt den Zuschlag. Der gebürtige Kärntner prägte durch seine internationale Lehrtätigkeit mehrere Generationen von Architekten. 1936 reiste Rainer nach Berlin, wo er ab 1939 im Naheverhältnis zu den neuen Machthabern, den Nationalsozialisten, seine wissenschaftliche Laufbahn begann. Sein Wirken zur Zeit des Nationalsozialismus bedarf weiterer kritischer Auseinandersetzung und wird derzeit mit seinem Nachlass im Architekturzentrum Wien aufgearbeitet. Rainer arbeitete mit Mies van der Rohe, war Professor an der Technischen Hochschule in Hannover, es folgten Graz und die Akademie der bildenden Künste in Wien. Von 1958 bis 1963 war er Stadtplaner von Wien, später Vorstandsmitglied des Bauhaus-Archives in Berlin, erhielt das Goldene Ehrenzeichen der Republik und viele Ehrendoktorate. Roland Rainers Werk reicht von Wohnbauten über Schulen und Kirchen bis hin zu Möbelentwürfen, wie dem des legendären stapelbaren "Wiener Stadthallensessels".

Wiens neues Wahrzeichen

Die Grundsteinlegung erfolgte am 18. Oktober 1953, im März 1954 begannen die Arbeiten auf dem ehemaligen k.u.k. Exerzierplatz. Im Zuge der Planung und des Baues waren 2.900 Pläne angefertigt worden, es wurden 110.000 m³ Erdreich bewegt, 27.800 kg Aluminiumprofile und 11.500 t Zement sowie 440.000 Ziegel verbaut. 41.000 m Erdstrom- sowie 20.000 m Heizungsrohrleitungen wurden verlegt.

Nach einer Bauzeit von 51 Monaten wurde die Wiener Stadthalle schließlich am 21. Juni 1958 als erste große Kulturinstitution außerhalb des Gürtels von Bundespräsident Dr. Adolf Schärf eröffnet. Zehntausende Menschen besichtigten an diesem Tag das neue „Wiener Wahrzeichen“. Bei der glanzvollen Eröffnung tanzte das Staatsopernballett und die Wiener Philharmoniker und die Wiener Symphoniker spielten zum ersten und einzigen Mal in der Geschichte der beiden Institutionen als kombiniertes Orchester.

Die Wiener Stadthalle ist eines der ersten Veranstaltungszentren eines neuen Typus, das als Mehrzweckhalle für tausende Menschen konzipiert wurde. Mit der Eröffnung wurde nicht nur dem lang gehegten Wunsch nach einem multifunktionalen Veranstaltungszentrum Rechnung getragen, sondern zugleich auch ein Wahrzeichen des „Neuen Wien“ geschaffen.

Erweiterung

Die bestehenden Hallen des Gebäudekomplexes Wiener Stadthalle wurden 1994 nach einem Entwurf von Architekt Roland Rainer durch die Halle E erweitert – eine Mehrzweckhalle mit knapp 1.800 m² und direkter Anbindung an die beiden Sporthallen A und B sowie die große Halle D.

Knapp zehn Jahre später sollte die Wiener Stadthalle um eine weitere Halle ergänzt werden. Im EU-weiten offenen, zweistufigen Wettbewerb „Erweiterung der Wiener Stadthalle“ konnten sich die Bregenzer Architekten Helmut Dietrich und Much Untertrifaller durchsetzen. Sie übernahmen bewusst die Formensprache des Baus von Roland Rainer und interpretierten diese neu.

Im Dezember 2003 wurde mit dem Bau begonnen und 2006 eröffnete die nahtlos an den Komplex integrierte Halle F mit einer der modernsten Showbühnen Europas und einem Fassungsraum von bis zu 2.000 Gästen.

Die gelungene Erweiterung wurde 2006 mit dem Bauherrenpreis, einem der begehrtesten Architekturpreise Österreichs, ausgezeichnet.

Kunst

Beim Bau der Wiener Stadthalle spielten die zeitgenössischen Künste eine große Rolle. Im März 1956 wurden Aufträge für die Schaffung von Plastiken an eine Arbeitsgemeinschaft von Künstlern vergeben. Dank des Kunstverständnisses des damaligen Gemeinderates der Stadt Wien, birgt die Wiener Stadthalle bis heute teils exponierte, teils in den Alltag integrierte Kunstwerke von unschätzbarem Wert.

Fritz Wotruba schuf eine Steinskulptur, Wander Bertoni die vier Meter hohe abstrakte Stahlplastik „Die Bewegung“. Carl Unger kreierte einen stilisierten Orientierungsplan als Mosaik aus färbigem Glas, ein weiteres Mosaik stammt von Maria Biljan-Bilger. Herbert Boeckls Bildteppich „Die Welt und der Mensch“ wurde 2009 aufwändig restauriert und kleidet ausdrucksstark 12 m Wandfläche der Ehren-Loge. Im angrenzenden Süd-Gang der Halle D hat sich Heinz Leinfellner mit seiner mächtigen Marmorwand verewigt.